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Wehe wenn sie losgelassen - DAS JAGEN

Stundenlanges ausharren im Wald, in der Hand nur noch die Leine, es ist Eiskalt, die Füsse werden zu Eisklumpen, es dunkelt langsam ein und weit und breit noch immer kein Hund in Sicht. Ein Szenario, welches Sie selber vielleicht auch schon erlebt haben und dabei nicht wussten, ob Sie sich nun mehr sorgen oder ärgern sollen über Ihren Hund.

Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig als zu warten, bis ihr sonst „so gut erzogener“ Hund plötzlich hechelnd und wedelnd wieder vor Ihnen steht.  Ihrem vierbeinigen Freund steht ein freudiges „ich habe fertig, wir können nun gehen“ ins Gesicht geschrieben.
Der Hund war jagen!

Jagen ist aber nicht nur das Töten eines Wildtieres, sondern auch das Aufstöbern und das Hetzen des Tieres. Was ist Jagdverhalten:

• es ist genetisch fixiert
• wird im Laufe der Entwicklung des Hundes wachgerufen
• wird durch Nachahmung erlernt
• wird durch Stimmungsübertragung beeinflusst
• ist häufig, aber nicht immer an das Appetenzverhalten gekoppelt
• bedarf der Übung
• hängt vom jeweiligen Talent des Hundes ab

Verlorene Liebesmüh?
Als verantwortungsbewusster Hundebesitzer, schliesslich soll der Hund ja immer und überall abrufbar sein, begibt man sich nun auf die Spuren des Antjagdtrainings. Das bedeutet oft „HIIIIIIIIIER“ , Leckerli rein und das „FEIN“ wird bis zum Umfallen geübt und funktioniert irgendwann auch wunderbar. Ganz euphorisch wird in Wald, Feld und Wiesen trainiert und es läuft super. Und plötzlich steht es da, des Hundebesitzers viel befürchtetes Reh, ganz oben am Waldrand, noch so weit entfernt, dass es mit dem menschlichen Auge kaum zu erkennen ist.  Das „HIIEER“ kommt wie aus dem Rohr geschossen, zwar um Längen zu spät, nicht nur weil der Hund das Reh viel deutlicher sieht sondern weil er es auch schon längstens in der Nase hat. In Sekundenbruchteilen wählt er zwischen Wurststückchen oder Rehbraten ….und ist weg………!

Ungehorsamkeit oder natürliches Verhalten?
In solchen Momenten könnte man verzweifeln, schliesslich hat man vor dem Ernstfall oft geübt, der Hund hat sich immer von der kooperativen Seite gezeigt und nun das! Nichts nützt mehr, man kann sich die Lungen aus dem Leib schreien, das Gelernte „HIER“ zeigt keine Wirkung mehr. Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig als zu warten…….. bis ihr Hund wieder kommt.
Wichtig dabei zu wissen ist, dass bei der  Jagd selbst, unabhängig vom „Erfolg“, Glückshormone freigesetzt. Innert Sekunden schiessen dem Hund Adrenalin und Dopamin in den Körper.  Genau darum ist es so schwierig, einen Hund, der diese beglückende Erfahrung einmal gemacht hat, vom Jagen abzuhalten.

Er bringt damit nicht nur sich selbst in Gefahr!
Was mit dem gehetzten Tier passiert ist in diesem Moment für die meisten Hundehalter sekundär, Hauptsache der Hund ist nicht in Richtung Bahngeleise oder auf die viel befahrene Hauptstrasse gerannt.
Es gilt aber auch zu bedenken, dass viele Wildtiere nicht ums Leben kommen, weil sie zu Tode gebissen werden, sondern weil sie gehetzt werden und die hormondurchfluteten Körperfunktionen der Belastung nicht mehr standhalten. Sie brechen zusammen und sind tot. Gestorben an einem Herzinfarkt!

Hunde sind Beutegreifer, das Jagdverhalten unserer Haushunde ist ein instinktgesteuertes Verhalten.
Genetisch fixiertes, instinktgesteuertes Verhalten kann nicht komplett gelöscht werden, man kann jedoch durch ein gut aufgebautes Training in der Regel sehr wohl einen positiven Einfluss auf das Jagdverhalten nehmen und es in kontrollierbare Bahnen lenken.
Einfach zu  härteren Massnahmen greifen und fortan eine Leinenpflicht aufzubürden hilft zwar das  Symptom abzubauen, kann die Ursache aber nicht bekämpfen. Denn nur langweilige Spaziergänge an der Leine mit dauernd guten Düften in der Nase können für Hunde sehr frustrierend sein. Uns ist die Leine dann wieder einmal ab ist das sofortige abhauen (Jagen) vorprogrammiert.

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Tipps um das unerwünschte Jagdverhalten zu minimieren:
Es gibt verschiedene Lösungsansätze, um das unerwünschte Jagdverhalten zu unterbinden.  Grundsätzlich kann man jedoch durch die gezielte Beschäftigung mit dem Hund dieses Verhalten schon einmal minimieren. Machen Sie sich und Ihrem Hund zu aktiven gemeinsamen Teilnehmern beim gemeinsamen Spaziergang. Je größer die Aufmerksamkeit ist, die der Hund auf Sie richtet, desto grösser ist auch die Bindung zu Ihnen. Wenn der Hund es gewohnt ist, dass er Ihnen  seine ganze Aufmerksamkeit schenken soll und muss, kann das unerwünschte Jagdverhalten kontrolliert werden.

Richtig ausgeführtes Apportiertraining
kann Jagdverhalten in Bahnen, das heisst von der Beute Wildtier auf ein sogenanntes Dummy, (um)lenken. Sorgfältiger Übungsaufbau und Gehorsam sind auch hier unverzichtbar. Zusätzlicher Vorteil: Das gemeinsame Tun, sowie gemeinsame Erfolgserlebnisse machen Spaß und schweisst das Team nur umso enger zusammen.

Schritt für Schritt wird Ihrem Hund das gegeben, was er gerne macht, nämlich Jagen auch wenn es nun nur noch mit Ihnen gemeinsam stattfindet. Dabei ist das Motto „fördern und nicht überfordern“ sehr wichtig, denn dann wird der Hund beginnen es richtig toll zu finden.

Hat er an den gemeinsamen Aktivitäten Gefallen gefunden, wird das Abrufen viel einfacher und evtl. wird er sogar eines Tages lieber mit Ihnen etwas unternehmen als dem Reh, das weit oben am Waldrand steht, nach zu rennen.

Vorbeugen ist Trumpf!
Wer seinen Hund frei laufen lässt, muss aufmerksam und reaktionsschnell sein, das bedeutet, potenzielle Beute als erster sehen und seinen Vierbeiner sofort in den Gehorsam nehmen. Eben dieser Gehorsam, also unverzügliches Herankommen oder Ablegen beim Kommando „Platz“, ist natürlich Grundvoraussetzung! An einer sorgfältigen Erziehung geht also kein Weg vorbei.

Bei Hunden mit sehr ausgeprägtem Jagdinstink kann eine sogenannte Schleppleine hilfreich sein.
Sie gibt dem Tier Bewegungsfreiheit und dem Menschen am anderen Ende die Sicherheit, den Vierbeiner jederzeit im wahrsten Sinne des Wortes im Griff zu haben. Mit dem Umgang mit diesem Hilfsmittel sollten sich beide zunächst in gewohnter Umgebung vertraut machen.


Die Dogs Nature Trainer stehen Ihnen gerne bei Ihrem Antijagd Training mit Rat und Tat beiseite!!

Dieses Thema wurde in Kooperation mit der Hundeschule «dog-coach» in Weggis erstellt.